Evangelisch-lutherische
Kirchengemeinde
Eckersdorf
St. Ägidius

22.07.10: „Wenn du gnädig bist, dann lass uns gewinnen.“

Liebe Leser,
die Fußball-WM ist vorbei. Es waren in jeder Hinsicht heiße Spiele, die wir zu
hause oder beim sog. “public viewing“ mitverfolgen konnten. Wir erlebten ein Bad
der Gefühle: Enttäuschung, Niederlagen, Freude und Triumph. Mannschaften, die
sich alles erhofften, mussten abreisen, andere machten sich bis zuletzt
Hoffnungen auf den Titelgewinn.
Gewinnen zu wollen gehört zum Sport dazu. Die Freude am Sich-Messen in den
körperlichen Kräften und im Leistungsvermögen machen ein Spiel aus. Wer
gewinnen will, muss schneller als der Gegner laufen, bei Kopfbällen höher
springen, bei Flanken gezielter schießen und schließlich auch das Tor treffen.
Es kommt auf Taktik und Mannschaftsspiel an, auf Kondition und das richtige
Ballgefühl. Es gehört zum Menschen, dass er sich immer wieder herausfordern
lässt und etwas besser als der andere können will.
Auch der Glaube hat sich das Bild vom Wettkampf und Wettstreit zu Eigen
gemacht.
„Lasst uns mit Ausdauer in den Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist und
dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens.“(Hebräer
12,1f.).Damit bekommt der Gedanke vom Wettkampf eine tiefere Bedeutung.
Solidarität, Streben nach Gerechtigkeit und Fair Play gehören zu diesem Kampf
dazu. Keiner soll ausgegrenzt oder abgewertet werden, wenn er nicht mehr den
Leistungskriterien entspricht. Dort wo Menschen zu Objekten oder regelrechten
Siegmaschinen degradiert werden, werden sie für die Interessen anderer
eingespannt. Die Gefahr des Missbrauchs und der Selbstentfremdung wächst.
Das gilt für den Spitzensport genauso wie für unser Zusammenleben in einer
Gesellschaft, deren vorrangiges Ziel doch die Integration sein sollte.
Bei allem Ehrgeiz, es bleibt dabei: das Fair Play ist wichtig. Und wenn eine
Mannschaft ein wichtiges Spiel verliert oder einem Spieler ein entscheidender
Schnitzer passiert, so ist das noch lange kein Urteil über den konkreten
Menschen. Der Erfolg und Sieg der eigenen Mannschaft ist schön, aber nicht
entscheidend für eine gute WM.
Das haben wir gesehen. Und ein Gebet, das der Fußballmannschaft aus Ghana
zugeschrieben wird, zeigt die tiefere Dimension: „Herr, laß uns fair spielen. Lass
unser Spiel in deinen Augen gut sein. Lass unser Leben ein faires Spiel sein, eine
Augenweide für dich und unsere Mitmenschen. Wenn du gnädig bist, dann lass
uns gewinnen, hier im Spiel – und später, wenn das Leben und das Spiel zu Ende
sind.“
Gabriele Günther

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