Unsere Kirche...
Ein Rundgang durch die Kirche
Der Kanzelaltar
Wenn man das Gotteshaus durch den Haupteingang betritt, fällt der Blick
unweigerlich auf den Altar, der zusammen mit der Retabel und der Kanzel
eine Einheit bildet und zu einem sogenannten Kanzelaltar verbunden ist und
der sich in der Mitte des zugemauerten Triumphbogens des ursprünglichen
Turmchores (jetzt renovierte Kilianskapelle) befindet, also im zentralen
Bereich unserer Kirche. Hier ist der originäre Ort der Vergegenwärtigung
Christi. Ein Kanzelaltar, wie in unserer Kirche, ist keine alltägliche
Erscheinungsform in Kirchen, er ist vielmehr ein besonderes Merkmal
evangelischer Kirchen unserer Region, die vor allem während der Markgrafenzeit
geschaffen wurden.
Der älteste Teil unseres Kanzelalters ist der Altartisch von 1668, ein
marmorierter Truhenaltar aus Holz mit auskragendem Sockel und Mensa, auf der
sich ein Kruzifix und zwei Leuchter befinden. Ihm, dem Tisch des Herrn gilt
unsere besondere Beachtung. Denn schließlich verstand man schon immer den
Altar als Inbegriff des Glaubens:
Hier beten wir im Gottesdienst, von hier wird der Segen Gottes über Menschen
gesprochen und hier versammelt sich die Gemeinde zum Abendmahl.
Da sich hinter dem Altartisch eine Rückwand (lat. Retrotabulum) befindet, wird nach dieser besonderen Form des Kanzelaltars jener auch als Retabelkanzelaltar bezeichnet. Die Rückwand, die Retabel, stellt die Verbindung zur Kanzel dar, in unserem Fall ein schmaler Aufbau mit zwei kleinen gewundenen Säulen auf Podesten, die mit Reliefs besetzt sind.
Dabei zeigt das linke Relief das Schweißtuch der Veronika, die der Legende nach mit ihrem Tuch Schweiß und Blut vom Gesicht des kreuztragenden Christus wischte. Auf dem Tuch bildete sich dabei das Gesicht Christi ab.
Das rechte Relief ziert das Stifterbild:
Es stellt Christian Sigmund von Lüchau dar, den Lehensherrn der beiden
Ortschaften Donndorf und Eckersdorf
und gleichzeitig auch den damaligen Kirchenpatron von St. Ägidius.
Schließlich hat er 1668 den Kanzelaltar, so wie er heute zu sehen ist,
einbauen lassen.
Zwischen beiden Reliefs in der Predella befindet sich ein schmales, rechteckiges Gemälde, das - ganz typisch für evangelisch-lutherische Kirchen - das Abendmahl darstellt.
Die Kanzel
Unser Blick geht nach oben zur Kanzel, von wo aus im Gottesdienst
die Predigt erfolgt. Da nach Luther die Predigt mehr ist als menschliches Wort
des Predigers allein, sondern in ihr der Geist Gottes wirkt, gleichsam das
menschliche Wort in das lebendige Wort Gottes verschmelzend, kommt der
Kanzel, dem Ort solcher Wandlung, eine zentrale Bedeutung zu.
Die Kanzel ist so platziert, dass die gesamte Gemeinde den Pfarrer sehen
und selbstverständlich auch deutlich hören kann. Demnach ist die Kanzel ebenso
wie der Altar, wo sich der Geistliche und das Gemeindemitglied gemeinsam am
Tisch des Herrn zum Geben und Nehmen des Abendmahles einfinden, das
Zentrum für die gottesdienstliche Versammlung. Diese Kanzel wurde vom
Kulmbacher Bildhauer Johann Georg Brenck 1677 geschaffen und 1668 nachträglich
über den Altar eingebaut. Sie besteht aus fünf rundbogigen, von korinthischen
Ecksäulchen abgegrenzten Flachnischen mit Figuren.
In der Mitte befindet sich Christus der Salvator, der menschenfreundliche
Erlöser: Ihm gebührt der Mittelpunkt, nicht nur figürlich, sondern auch in
der Predigt.
Auf der Kanzel ist er umgeben von den vier Evangelisten Matthäus, Markus,
Lukas und Johannes. Dem Prediger gleichsam Kraft verleihend sind sie ihm
auch körperlich recht nahe an der Kanzel und wollen mit ihren aufgeschlagenen
Büchern in den Händen ihn gleichsam vor der versammelten Gemeinde legitimieren.
An ihr Wort ist der Pfarrer gebunden.
Über diesen fünf Feldern sind Engelsköpfchen zu sehen sowie ein weit
vorkragendes profiliertes und verkröpftes Handlaufgesims.
Der Kanzeldeckel
Unter dem Kanzeldeckel links und rechts der Kanzel befinden sich vergoldete Akanthuswangen, also Zierwerk der Rokokozeit, mit zwei Engeln, welche die Leidenswerkzeuge Christi tragen. Säulen verleihen dem Kanzelaltar seine Kraft und entsprechen seiner Majestät, wobei sie nicht nur funktionale, sondern auch dekorative Bedeutung haben. Als Abschluss der Kanzel ist ein Dach angedeutet, das aber nach oben hin offen ist: zu Gott.
So wie der Altaraufbau nach oben hin offen ist, so sollen auch die Menschen, die sich hier versammeln, offen sein für das Wort Gottes. Auf den Giebelschenkeln sitzen zwei Engelsfiguren, die den geschnitzten Wappenschild mit dem Helmzier der Herren von Lüchau tragen. Über der Kanzel ist eine Schalldeckel angebracht, eine spitz zulaufende Haube, deren unteres Gesims wieder von Engelsköpfen geziert wird. Vorne, in der Mitte der Haube, ist das Doppelwappen deren von Lüchau-Lützelburg angebracht, dahinter ein Posaunenengel. Der Posaunenengel auf dem Schalldeckel hat gleichsam die Funktion eines Herolds, der laut eine wichtige Botschaft, es ist das Evangelium, ankündigt. Ferner ist auf der Haube eine Sitzgruppe zu sehen, die die Verleihung der Prophetengabe an Jesaja darstellt. Als seitliche Figuren erkennen wir links Mose, der die Gesetzestafeln mit den Geboten der Gemeinde vorhält und so auf den Zusammenhang von Gesetz und Evangelium verweist und rechts sehen wir Johannes den Täufer, der mit langem Finger auf das Lamm Gottes weist, das die Sünde der Welt trägt. Im Auszug ist eine Engelsfigur sowie eine schräg gestellte Scheibe mit Wolkendekor zu sehen, dem Symbol des Himmels und für die Gegenwart Gottes unter den Menschen.
Die Decke
Betrachten wir nun die Decke: An der Wand über dem Schalldeckel
ist in Stuck eine Kartusche von Albini angebracht, die über die Wand hinaus
in die Decke des Gotteshauses ragt und die den brandenburgischen Adler und
ein Monogramm mit den Initialen "FWR" (Friedrich Wilhelm Rex -
König Friedrich Wilhelm II. von Preußen) und der Jahreszahl 1793 zeigt.
Das ist das Jahr der Instandsetzung unserer Kirche.
Richten wir unseren Blick weiter nach oben: Zu sehen ist die schön
dekorierte Stuckdecke, ein Schmuckstück ländlicher Kirchenkunst, gefertigt
ebenfalls im Jahre 1793, und zwar vom Bayreuther Hofstukkator
Adam Rudolph Albini. Trotz dessen italienisch klingenden Namens -
eigentlich hieß er Albin, veränderte ihn aber einer Modeerscheinung
seiner Zeit folgend durch Anfügen eines i - war dieser ein deutschstämmiger
Künstler, der ab 1745 am Bayreuther Hof tätig war. Sein Vater,
ebenfalls Stukkator stammte aus Fulda und war auf Vermittlung des
berühmten Baumeisters Johann Dientzenhofer nach Bamberg übersiedelt.
Zeugnisse der Stuckkunst Albinis finden sich unter anderem im Alten Schloss
der Eremitage, in Sanspareil und im Neuen Schloss Bayreuth sowie in einigen
Kirchen des Bayreuther Umlandes.
Allerdings hätte nach dem Willen des damaligen Eckersdorfer Pfarrers
Johann Christian Schmidt nicht er, sondern ein ganz anderer, nämlich der
Trockauer Stukkator Johann Gerstendörfer die Arbeiten ausführen sollen.
Doch der für den Kirchenbau zuständige Hofbauinspektor Riedel verfügte bei
Strafe in einem Regierungserlass an den Pfarrer, dass nur einheimische Meister
und Künstler, somit nicht Gerstendörfer, denn Trockau gehörte damals zum
Fürstbistum Bamberg, zu beschäftigen seien. Also erhielt wie ursprünglich
vorgesehen doch Albini den Auftrag, zwar nicht für die zunächst vorgesehenen
250 Gulden, sondern nur für 200 Gulden, so dass wie Riedel bemerkt "viele
Zierarten meistens bis auf die Glorie in der Mitte wegbleiben" mussten.
Dennoch ist Albini mit der Stuckdecke ein kunstgeschichtlich hervorragendes
Werk gelungen. Die Mitte der Decke zeigt symbolisch die Trinität.
Der dreieinige Gott ist als gleichseitiges Dreieck dargestellt, in dessen
Mitte das Auge Gottes zu sehen ist, ein beliebtes Motiv jener Zeit.
Von da aus gehen nach allen Seiten goldene Strahlen aus, verziert mit
Engelsköpfen. Als Zierrahmen schuf Albini an den vier Seiten der Kirchendecke
Blätter- und Blütenranken, die an den Ecken besondere Verzierungen erfahren:
Hier sind biblische Motive als Symbole des Glaubens zu sehen.
Das Vortragekreuz und das Lesepult
Das Vortragekreuz, findet man in jeder Kirche,
ein auf einer Stange aufgesetztes Kruzifix, das bei Beerdigungen
vorangetragen wird. Unsere Kirche hat gleich zwei.
Sie befinden sich für alle sichtbar in einem Halter
links und rechts des Altars und stammen aus den Jahren 1678 bzw. 1783.
Wie der Altar wurde das ältere der beiden Vortragekreuze ebenso wie das
üppig verzierte und im Ohrmuschelstil gehaltene Lesepult
vom Kulmbacher Bildhauer Johann Georg Brenck gefertigt.
Lesepult und Vortragekreuz stammen aus dem Jahr 1678 und wurden von
Michael Nebel und seiner Frau gestiftet.
Der Taufstein
Nicht bekannt ist der Name des Künstlers, der den Taufstein geschaffen hat,
wohl aber seine Entstehungszeit. Er stammt aus dem Jahre 1673 und ist aus
Sandstein gefertigt. Damals ließ der Kirchenpatron Christian Sigmund von
Lüchau den alten abreißen und durch einen neuen, unseren jetzigen
Taufstein ersetzen. Er weist die typische Kelchform auf, wobei den
Abschluss eine Deckelkrone aus Holz mit Johannes dem Täufer als
Bekrönungsfigur bildet.
Wie in der Barockzeit üblich zieren zudem Engel den Taufstein, der auch
das Wappen derer von Lüchau zeigt. Er ist in der Nähe des Altars vor der
Gemeinde platziert. Damit führt ein ideell gestrecktes Band vom Sakrament
der Taufe zu dem des Abendmahls, von da leitet es hin zum Wort Gottes, das
von der Kanzel kommt. Die Taufe geht auf Jesus zurück, schließlich ließ er
sich von Johannes taufen und gab den Taufbefehl an seine Jünger weiter.
Die Taufe ist ein sichtbares und wirksames Zeichen der Güte Gottes,
gleichsam ein Hineintauchen in die Liebe Gottes. So hat
er versprochen, immer für mich da zu sein, mir wieder zu vergeben
und mir ewiges Leben zu schenken. Als manchmal zweifelnder Mensch, kann
und darf ich mich auf die Zusage Gottes verlassen.
Zum Grundbestand einer Kirche gehört natürlich auch der
Opferstock, der sich in unserer Kirche am
Ausgang befindet:
Hier wird für Arme und Notleidende gespendet. 1851 wurde dieser von
dem Gemeindeglied K. B. gestiftet. Er ist aus Sandstein gefertigt und
auf ihm ist ein Opferlamm abgebildet. Opfern bedeutet: Was ich bin und habe,
gehört nicht mir allein. Indem ich etwas weitergebe, begegne ich Gott, der
Macht des Schenkens.
Epitaphien
Epitaphien sind vom Grab unabhängige Gedächtnismale, die an den Kirchenwänden zu finden sind. Sie weisen vor allem auf priviligierte, meist adelige Personen oder den Kirchenpatron hin. Auch in unserer St.-Ägidius-Kirche kann man solche Epitaphien vorfinden:
Maria Susanna Margaretha von Lüchau, geb. von Lützelburg
Gemahlin des Christian Sigmund von Lüchau, Oberamtmann zu Crailsheim,
Kirchenpatron von Eckersdorf
(geb. am 3. September 1657; gest. am 24. Juli 1729)
Eva Jacobina Freifrau von Lützelburg, geb. Böcklin von Böcklinsau
Mutter von Maria Susanna Margaretha von Lüchau,
Witwe des 1670 gest. Heinrich Ernst von Lützelburg
(gest. am 28. September 1708)
Wolf Sigmund von Lüchau Obristleutnant und Oberamtmann zu Streitberg,
Ortsherr von Donndorf und Eckersdorf sowie hier Kirchenpatron von 1643 bis 1647,
war vermählt mit Maria Ursula von Künsberg zu Thurnau
(geb. am 28. Januar 1604; gest. am 8. September 1647)
Margaretha von Plassenberg, geb. von Füllbach
(gest. am 19. Mai 1570)
Die Kilianskapelle
Die Kilianskapelle war der Vorgängerbau der St.-Ägidius-Kirche. Sie war als
Schlosskapelle ursprünglich dem heiligen Kilian geweiht, was auf frühe
Beziehungen zur Würzburger Kirche hinweist. In den Jahren 1983 bis 1987
wurde unsere Kilianskapelle restauriert, wobei unter vier Mal- und
Putzschichten Fresken aus dem Jahre 1457 freigelegt wurden.
Während dieser aufwändigen Arbeiten des Restaurators zeigte sich außerdem,
dass sich darunter sogar noch zwei weitere Schichten mit noch älterer
Malerei befinden. Die über viele Jahrhunderte hinweg mehrfach übertünchten
Wände und die Decke brachten nach der Restaurierung schöne Fresken aus
der Gotik (1457) ans Tageslicht.
Das Deckengewölbe ist verziert mit
Symbolen der vier Evangelisten:
der Löwe steht für Markus, der Stier für Lukas, der Adler für Johannes
und der Engel für Matthäus. Die Wände zeigen die Apostel Bartholomäus,
Matthias und Matthäus sowie die Heilige Hedwig und die Heilige Barbara.
Außerdem kamen zum Vorschein ein segnender Jesus Christus, Maria mit dem
Jesuskind, ein Abbild einer Burg - wahrscheinlich die Eckersdorfer Burg -
sowie ein zur Mutter Gottes (mit dem Jesuskind auf dem Arm) betender
Adelige. Jener dürfte der damalige Kirchenpatron gewesen sein, einer der
beiden Brüder von Plassenberg. Gotfride (Götz) von Plassenberg hatte am
27. Dezember 1455 für sich und seinen Bruder Hans das Eckersdorfer
Burggut als väterliches Erbe erhalten. Auch ist das Plassenberg`sche
Wappen, ein weißer (blasser?) Berg im roten Feld, zu sehen. Auf den
Fresken von 1457 ist zusammen mit einer Hirschkuh der heilige Ägidius
(auch Egid oder Gilgen genannt) zu erkennen, der erste Benediktinerabt
des Klosters St. Gilles in Südfrankreich, der Namenspatron unserer
St.-Ägidius-Kirche in Eckersdorf, zu dem die Plassenberger eine
besondere Affinität hatten. Er ist einer der volkstümlichsten Heiligen
und zählt zu den vierzehn Nothelfern. Über sein Leben ist allerdings
wenig bekannt. Aber Legenden haben ihm eine im Kern glaubwürdige
Biographie geschrieben:
So soll Ägidius aus Athen stammen und von adeliger Herkunft gewesen sein. Dem weltlichen Leben und dem Reichtum zog er ein gottgefälliges Leben in der Einsamkeit vor, weshalb er als Eremit in einer Höhle der Rhonemündung gelebt haben soll. Ägidius starb als erster Abt von St. Gilles um 720. Der Sarkophag ist noch heute in der weiträumigen Krypta dort zu sehen, seine Gebeine ruhen aber seit langer Zeit schon in Toulouse, Saint Sernin. Seine Verehrung beginnt in unserer Heimat schon lange vor der Gründung des Bistums Bamberg: So befindet sich eine der ältesten St. Ägidiuskirchen in Melkendorf im Landkreis Kulmbach. Während seiner Amtszeit als Bischof von Bamberg hat besonders Otto (um 1060 bis 1139) die Verehrung des heiligen Ägidius gefördert. Noch heute finden Wallfahrten an sein Grab statt, das im Mittelalter Ausgangs- und Sammelpunkt am Weg nach Santiago de Compostela (Spanien) war. Zum Attribut des Ägidius wurde die zahme Hirschkuh. Bildlich wird Ägidius oft im schlichten Habit eines Benediktiners dargestellt. Er gilt als Patron der Bettler, Bogenschützen und Pferdehändler sowie der stillenden Mütter. Unter seinem besonderen Schutz stehen auch das Vieh und der Wald. Außerdem markiert sein Gedenktag, es ist der 1. September, den Beginn des Herbstes im bäuerlichen Jahr.